Lateinamerika

Lateinamerika bezeichnet eine Großregion auf dem amerikanischen Kontinent, die Mexiko, Mittel- und Südamerika sowie die Karibik umfasst. Sie erstreckt sich auf etwa 9,2 Millionen km², das sind ungefähr 13 Prozent der weltweiten Landfläche. Neben zahlreichen indigenen Sprachen wird überwiegend Spanisch und Portugiesisch gesprochen. Das beruht darauf, dass die Gebiete historisch stark von der europäischen Kolonisation geprägt wurden, aber auch indigene und afrikanische Wurzeln einflussreich waren. Es verwundert somit nicht, dass Lateinamerika aufgrund seiner Geschichte heute eine große kulturelle Vielfalt aufweist. Der Begriff „Lateinamerika” ist nicht unumstritten. Sein Entstehen ist untrennbar mit der Geschichte des europäischen Kolonialismus verbunden. Seit der Kontinent seine formale Unabhängigkeit errungen hat, gab es mehrere Ideen für neue Namen. So schlug zum Beispiel der Weltrat der Indigenen Völker 1977 einen Namen aus der Sprache der Kuna in Panama vor: Abya Yala, das Land in voller Reife.

Stadtspaziergänge

Zwischen Mai und Oktober 2025 begaben sich 14 Community-Forscher:innen von Viena Latina auf eine Reihe besonderer, interaktiver Stadtspaziergänge. Mit dieser künstlerischen Methode entwickelten sie gemeinsam drei urbane Routen, die die Erfahrungen und Spuren lateinamerikanischer und karibischer Migrant:innen in Wien sichtbar machen. Indem sie ihre Geschichte mit den Teilnehmer:innen teilten, fügten sie der kollektiven Erinnerungslandschaft der Stadt wichtige, bisher unbekannte Dimensionen hinzu. Die Routen bleiben als Vermächtnis erhalten und können in Zukunft erneut aktiviert werden.

Oral History

Viena Latinas Oral History-Bereich dokumentiert von Migration bestimmte Lebensgeschichten in Wien. 71 biografische Interviews erzählen von der Einwanderung, den Herausforderungen bei der Integration in Wien, der Rolle der lateinamerikanischen Gemeinschaft und von ihrem Beitrag zu Gesellschaft und Kultur der Stadt. Durchgeführt wurden die Interviews von 32 Citizen Scientists aus der Community, die die Methoden von Interview, Transkription und Textbearbeitung erlernt hatten. Gemeinsam mit den Interviewten schufen sie so jene Oral-History-Dokumente, die im Archiv von Viena Latina zugänglich sind.

Emotionale Migrationskarte

Textile Techniken haben in Lateinamerika und der Karibik eine lange Tradition. Mit ihnen wird Gemeinschaft geschaffen, kommuniziert und gestaltet. Wissen wird weitergegeben und bleibt in den Händen jener Menschen lebendig, die diese Techniken ausüben. Diese Installation vereint 48 Arbeiten, individuelle wie auch gemeinsam hergestellte. Jede Arbeit nutzt verschiedene Materialien und teilt Erinnerungen, Landschaften, Botschaften und Gefühle aus Migrationserfahrungen und knüpft Beziehungen zwischen Orten, die wir verlassen haben, und jenen, in denen wir heute leben.

 

Photovoice

Eine Möglichkeit, Erfahrungen zu reflektieren, ist die Photovoice Methode. Sie beruht auf mehreren Schritten: das eigene Erleben fotografisch auszudrücken, die entstandenen Bilder mit selbst verfassten Texten zu verbinden und diesen Prozess als Gruppe zu besprechen und zu analysieren. Der Ansatz von Photovoice ist kollektiv und dynamisch. In einer Reihe von Workshops schafft er Bewusstsein für die Art, wie wir unser Leben mit Bedeutung füllen, und für unsere Rechte und Pflichten als Autor:innen unserer Lebensgeschichten. Am Ende steht eine gemeinsam kuratierte Präsentation der Ergebnisse. Im Rahmen von Viena Latina brachte der Photovoice-Prozess 22 migrantische Personen aus verschiedenen Ländern Lateinamerikas zusammen, um eine zentrale Frage zu beantworten: „Was bedeutet Migration für dich?“

Archiv

Das Archiv von Viena Latina lädt in Wien lebende Menschen ein, ihre eigene Erfahrung mit Migration aus Lateinamerika und der Karibik zu dokumentieren. Jeder Beitrag ist ein individueller Faden im Gewebe der kollektiven Erinnerung: Fotos, Briefe, Zeugnisse und Dokumente aller Art, versehen mit einem kurzen persönlichen Text über die Bedeutung des jeweiligen Objekts. Zudem können lateinamerikanische Organisationen hier ihre Geschichte und Tätigkeit zeigen. Dieses „lebendige“ Archiv wird in Zukunft weiterwachsen.

Timeline

Migration hat viele Ursachen, deshalb ist ihre Geschichte immer vielschichtig. Das gilt auch für die Einwanderung von Lateinamerikaner:innen nach Europa, Österreich und Wien. Manche flohen vor Unterdrückung, andere vor Armut, wieder andere hatten hier Familie oder kamen für eine Ausbildung. Die Zeitleiste zeigt eine Auswahl wichtiger Momente auf beiden Seiten des Atlantiks, die diese Entwicklung beeinflusst haben. Wie jede Geschichte ist sie unvollständig.

19 Gruppen: Netzwerke in Bewegung

Welche gemeinsamen Ziele bewegen Menschen aus Lateinamerika und der Karibik dazu, sich in Wien zu organisieren? Welche Wege wählen sie? Wie zeigen sie ihre Präsenz im Stadtraum? Hier sind 19 Gruppen versammelt, die das Projekt Viena Latina von Anfang an begleiten: Vereine, aktivistische Kollektive, Medieninitiativen, Sportgruppen und NGOs. Manche richten sich an Landsleute aus bestimmten Ländern; andere knüpfen transnationale Netzwerke und arbeiten mit Menschen vor Ort. Dieses Kapitel kann nur einen Teil dieses kollektiven Lebens in Wien abbilden. Hier laden wir dazu ein, diese Gruppen kennenzulernen und auf der letzten Seite Fehlendes zu ergänzen.