1historia final

Stimmen unserer Teilnehmer*innen

Als Team von „Viena Latina“ sind wir sehr dankbar für die Beiträge der an der Oral History-Erhebung beteiligten Citizen Scientists und der befragten Personen. Dank dieser gemeinsamen Arbeit konnten mehr als 70 biografische Interviews durchgeführt, transkribiert sowie in einem gemeinsamen Bearbeitungsprozess von Rayen Cornejo Torres, der befragten Person und der/dem zuständigen Citizen Scientist überarbeitet werden.

Im Folgenden einige allgemeine Einschätzungen unserer Teilnehmenden zur Frage, was der Prozess der Oral History für sie bedeutet hat:

„Ich habe mich sehr gefreut, zu den Menschen zu gehören, die die Gelegenheit hatten, ihre Geschichte in diesem Projekt zu erzählen. Ich glaube, wenn die neuen Generationen in diese Stadt kommen und die verschiedenen Geschichten lesen, die hier geteilt wurden, werden sie erkennen, dass sie nicht allein sind, dass wir alle denselben Migrationsprozess durchlaufen haben – wahrscheinlich nicht auf dieselbe Weise, denn nicht alle von uns haben dieselbe Geschichte. Aber eines weiß ich ganz sicher: Wir alle teilen dieses Gefühl, weit weg von zu Hause zu sein, weit weg von unseren Lieben und unserer Kultur. Ich glaube, durch das Teilen meiner Erfahrungen habe ich mir noch einmal bewusst gemacht, was es bedeutet, Migrantin zu sein. Vor allem, wenn man schon mehrere Jahre fern der Heimat ist, merkt man, dass man nicht mehr dieselbe Person ist, weil man weiß, dass man nicht mehr nur an einen einzigen Ort gehört.“ (Cristi, Befragte Nr. 3)

„Das Zuhören und die Auseinandersetzung mit anderen Erfahrungen lateinamerikanischer Migrant*innen – zusätzlich zu meinen eigenen – bereichern mein Verständnis für die Auswirkungen der lateinamerikanischen Migration nach Europa zutiefst. Mein Einfühlungsvermögen erweitert sich, ebenso wie meine Wertschätzung für mich selbst und für andere Menschen. Die Toleranz und der Respekt gegenüber jeder Frau und jedem Mann, die bzw. der den mutigen Schritt in die offene und unvorhersehbare Welt der Interkulturalität gewagt hat, berühren ganz subtile Saiten in meiner Seele. Meine Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die diese Workshops ermöglicht haben, ist aufrichtig und tief. Diese Begegnungen und ganz allgemein die bedeutende Tragweite des Projekts „Viena Latina“ tragen nicht nur zur Anerkennung der Geschichte der lateinamerikanischen Migration im europäischen Kontext bei, sondern verleihen ihr auch Würde und hinterlassen Spuren, die zweifellos in den kommenden Generationen noch wertvollere Früchte tragen werden. Von ganzem Herzen vielen Dank!“ (Lysabel Urbano, Citizen Scientist Oral History)

„Die Teilnahme am Projekt ‚Viena Latina‘ ermöglichte es mir nicht nur, meine Erfahrungen als Migrant zu teilen, sondern auch die Erfahrungen anderer in derselben Situation kennenzulernen. Das hat mir geholfen, mich in diesem neuen Land in meiner Bestimmung sicherer zu fühlen. Auch das Wissen, dass ich ein wenig dazu beitragen kann, dass neue Migranten von Anfang an Unterstützung erhalten, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich hoffe, dass diese Projekte auch in Zukunft fortgesetzt werden und ich wieder daran teilnehmen kann.“ (David, Befragter Nr. 21)

„Der Workshop zur Oral History hat mir nicht nur Werkzeuge an die Hand gegeben, um die wichtige Aufgabe der Aufarbeitung der Geschichte der lateinamerikanischen Migration in Wien professionell zu bewältigen, sondern auch für meine persönliche, intellektuelle und gemeinschaftliche Entwicklung. Bei den Treffen haben wir uns kennengelernt, während wir über den Migrationsprozess nachdachten. Es ist eine Gemeinschaft des Lernens und des Schaffens, viel mehr als nur eine gute Erfahrung.“ (Pablo Volenski, Citizen Scientist Oral History)

„Die Teilnahme am Projekt ‚Viena Latina‘ aus der Perspektive der Oral History als Citizen Scientist ist – ohne Übertreibung – eine aufschlussreiche Erfahrung. Sie bringt uns der kollektiven Lebenserfahrung näher und lädt uns ein, diese gemeinsam zu gestalten. Sie eröffnet uns neue Blickwinkel auf persönliche Erfahrungen, während wir einen Raum für historisch-emotionale Zeugnisse schaffen, die uns prägen. Ich halte das für notwendig und zugleich wunderschön.“ (Natalia Hurst, Citizen Scientist Oral History)

„Für mich war die Teilnahme am Modul ‚Oral History‘ eine Erfahrung, die mich in vielerlei Hinsicht bereichert hat. Sie ermöglichte es mir, aus nächster Nähe zu erfahren, wie Oral History als Methodik funktioniert, aber auch, sie zu nutzen, um über meine eigene Migrationserfahrung nachzudenken. Ich dachte über die Herausforderungen und die positiven Aspekte nach, die der Aufbau eines Berufslebens in Wien mit sich gebracht hat, aber auch darüber, was meine Erfahrung der Stadt geben kann. Mir gefiel es, Migration als eine Situation zu betrachten, in der sowohl die Migrantin oder der Migrant als auch die Stadt bereichert werden können. Diese Übung gemeinsam mit anderen Migrantinnen und Migranten durchzuführen, hat mir zudem gezeigt, wie viel wir gemeinsam haben und wie viel wir gleichzeitig aus unseren Unterschieden lernen können. Es war eine Erfahrung, die mein Leben als Migrantin, aber auch meine berufliche, kulturelle und menschliche Perspektive bereichert hat.“ (Kat, Befragte Nr. 19).