Workshop 2: Brücken zwischen der Vergangenheit und unserer Gegenwart schlagen. Workshop zur Durchführung biografischer Interviews im Rahmen der Oral History.
Am Mittwoch, dem 4. Dezember 2024, leitete Rayen Cornejo Torres den praktischen Fortbildungsworkshop zum Thema Oral History im Frida-Kahlo-Saal des Österreichischen Lateinamerika-Instituts.
Diese Veranstaltung verfolgte zwei Ziele: Zum einen sollten die Citizen Scientists die verschiedenen Phasen der im Rahmen des Projekts „Viena Latina“ durchgeführten biografischen Interviews üben können; zum anderen sollten die logistischen Aspekte im Zusammenhang mit der Kontaktaufnahme zu den Interviewpartner*innen, der Umsetzung der Interviewrichtlinien und der Übergabe des entstandenen Materials koordiniert werden.
Der Workshop basierte auf den überarbeiteten Leitfäden für Interviews und Transkriptionen, die ausgedruckt, in einzelnen Ordnern zusammengestellt und an die jeweiligen Citizen Scientists verteilt wurden. Angesichts der unterschiedlichen Erfahrungsstufen der Teilnehmer*innen bei biografischen Interviews gab es viel zu behandeln. Durch interaktive Gruppenaktivitäten wurde jedoch ein umfassender Überblick über jeden Schritt vermittelt, und es wurden Übungen für zu Hause aufgegeben, um das Gelernte zu vertiefen.
Trotz der hohen Informationsdichte des Workshops blieb die Stimmung lebhaft, und die Teilnehmer*innen zeigten sich sehr aktiv, stellten Fragen und waren voller Tatendrang, mit den Interviews zu beginnen. Sie zeigten sich zuversichtlich, die im Workshop erlernten Strategien und Methoden anwenden zu können.
Der Workshop begann mit der Klärung einiger administrativer Fragen. Rayen Cornejo Torres stellte die Ziele des Workshops vor und beschrieb wichtige Aspekte der Entwicklung und Anwendung der Interviewinstrumente. Nachdem die Teilnehmer ihre individuellen Unterlagen erhalten hatten, wurden sie gebeten, die verbindliche Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) der VHS aufmerksam zu lesen und zu unterzeichnen. Allen Teilnehmern wurde eindringlich klargemacht, dass sie während des gesamten Prozesses mit sensiblen personenbezogenen Daten umgehen würden, sei es im Zusammenhang mit ihrem eigenen Interview oder dem eines anderen Teilnehmers, weshalb der Schutz und die Gewährleistung ihrer Privatsphäre von entscheidender Bedeutung seien.
Im weiteren Verlauf der Präsentation wurde der Zweck jedes Dokuments erläutert, das in den Mappen der Teilnehmer enthalten war. Die erste Übung führte sie durch den ersten Kontakt mit den Befragten und zeigte ihnen, wie sie die Art des durchzuführenden biografischen Interviews erklären können. Dabei ging es vor allem um die Durchsicht des Formulars zur Einwilligung in die Teilnahme am Interview sowie des Datenschutzformulars, in dem die befragte Person ihre Einwilligung zur Befragung erteilt. Da diese Dokumente sehr detailliert sind und juristische Fachsprache enthalten, wurde diesem Abschnitt viel Zeit gewidmet, um sicherzustellen, dass die Citizen Scientists den Inhalt und die Auswirkungen der Formulare vollständig verstanden. Als erste Anlaufstelle für die Befragten müssen sie darauf vorbereitet sein, alle Fragen zu beantworten und auf etwaige Bedenken einzugehen. Dies wurde im Rahmen einer Rollenspielübung in Zweiergruppen geübt.
Die zweite Aktivität konzentrierte sich auf den Fragebogen vor dem Interview, dessen Ziel es war, den Interviewern dabei zu helfen, je nach Profil des Befragten passendere Fragen zu formulieren. Um sich mit diesem Fragebogen vertraut zu machen, füllten die Teilnehmer ihn anhand ihrer eigenen Daten aus und klärten ihre Fragen.
Die dritte Aktivität war eine der zeitaufwendigsten, aber auch eine der interaktivsten und praxisorientiertesten. Nachdem die Richtlinien für das biografische Interview vorgestellt worden waren, teilten sich die Teilnehmer in sechs Gruppen auf. Jede Gruppe führte ein Interview mit einem Teammitglied durch, wobei sie sich an der im Instrument zugewiesenen Kategorie orientierte (zum Beispiel Stereotypen). Jedes Gespräch dauerte etwa 5 Minuten, in denen die Teilnehmer Techniken wie aufmerksame Körpersprache, das Wiederholen der letzten Worte, das Stellen von Folgefragen, das Paraphrasieren und das Umformulieren übten. Das simulierte Interview wurde mit ihren Mobiltelefonen aufgezeichnet. Anschließend fand eine kurze Auswertungsrunde statt, in der Fragen anhand der Erfahrungen der Teilnehmer*innen bei der Übung geklärt wurden. So äußerten beispielsweise einige Teilnehmer*innen Bedenken darüber, inwieweit sie nachhaken sollten, wenn die befragte Person nur kurze Antworten gab.
Anschließend legten die Teilnehmer eine kurze Pause ein und genossen die vom Team von VIENA LATINA angebotenen Snacks und Getränke.
Die letzte Gruppenaktivität des Workshops konzentrierte sich auf die Georeferenzierung der Interviews. Es wurden eine Karte von Wien, Anweisungen und Beispielfragen für diesen Teil des Interviews verteilt. Zur Übung folgten die Teilnehmer in kleinen Gruppen den Anweisungen und identifizierten Orte auf der Karte von Wien. Anschließend erzählte jeder Teilnehmer eine Geschichte zu einem dieser Orte, und seine Teamkollegen überprüften, ob alle Aspekte der Geschichte abgedeckt waren. Unklarheiten wurden auf der Grundlage der während einer Plenarsitzung gewonnenen Erfahrungen geklärt.
Im weiteren Verlauf des Workshops wurde erläutert, wie die einzelnen Interviews transkribiert und gemeinsam bearbeitet werden sollten. Zum Abschluss des Workshops wurden die logistischen Aspekte der Durchführung der Interviews besprochen.
